Manuka-Honig gilt als einer der wertvollsten und begehrtesten Honige der Welt. Er stammt aus den entlegenen Regionen Neuseelands, ist deutlich teurer als gewöhnlicher Honig und wird seit Jahren mit zahlreichen positiven Eigenschaften in Verbindung gebracht. Doch wie gesund ist Manuka-Honig wirklich? Wie viel von seinem Ruf ist wissenschaftlich belegt, und wo endet der Stand der Forschung?

Genau diese Fragen schauen wir uns in diesem Beitrag an. Wir gehen die einzelnen Bereiche nacheinander durch, in denen Manuka-Honig immer wieder genannt wird, und ordnen ehrlich ein, was die Forschung tatsächlich zeigt. So kannst du dir selbst ein fundiertes Bild machen.

1. Was Manuka-Honig von anderem Honig unterscheidet

Manuka-Honig entsteht aus dem Nektar des Manuka-Strauchs (Leptospermum scoparium), der vor allem in Neuseeland wächst. Der Strauch blüht nur wenige Wochen im Jahr, oft in schwer zugänglichen Regionen. Schon das macht Manuka-Honig zu einem vergleichsweise seltenen Produkt. Die Māori, die Ureinwohner Neuseelands, schätzen die Manuka-Pflanze seit Generationen.

Was Manuka-Honig jedoch wirklich besonders macht, ist ein Inhaltsstoff namens Methylglyoxal, kurz MGO. Diese Verbindung entsteht während der Reifung des Honigs aus einem Stoff, der im Nektar der Manuka-Blüte in großen Mengen vorkommt. MGO ist zwar auch in gewöhnlichem Honig enthalten, allerdings nur in sehr geringen Mengen von wenigen Milligramm pro Kilogramm. Manuka-Honig kann dagegen mehrere hundert bis über tausend Milligramm MGO pro Kilogramm enthalten. Entdeckt wurde dieser Zusammenhang im Jahr 2008 von Forschern der Technischen Universität Dresden.

Die Zahl auf dem Glas, etwa MGO 550+, gibt an, wie viele Milligramm Methylglyoxal mindestens in einem Kilogramm des Honigs enthalten sind. Je höher dieser Wert, desto mehr MGO steckt im Honig. Auf diesen Inhaltsstoff beziehen sich auch die meisten Studien, wenn es um die besonderen Eigenschaften von Manuka-Honig geht.

2. Antibakterielle Eigenschaften – der Kern des guten Rufs

Der Ruf von Manuka-Honig geht vor allem auf seine antibakteriellen Eigenschaften zurück. Grundsätzlich hat jeder Honig eine gewisse antibakterielle Wirkung, unter anderem durch seinen hohen Zuckergehalt und kleine Mengen Wasserstoffperoxid, die beim Verdünnen entstehen. Bei Manuka-Honig kommt mit MGO ein zusätzlicher, deutlich stärkerer Faktor hinzu, der auch dann aktiv bleibt, wenn das Wasserstoffperoxid abgebaut ist.

In zahlreichen Laborstudien konnte Manuka-Honig das Wachstum verschiedener Bakterien hemmen, darunter auch Keime, die gegen bestimmte Antibiotika unempfindlich geworden sind. Dabei zeigte sich häufig: Je höher der MGO-Gehalt, desto stärker der Effekt. Diese Ergebnisse haben großes wissenschaftliches Interesse ausgelöst und sind der Hauptgrund, warum Manuka-Honig so viel Aufmerksamkeit bekommt.

Wichtig ist dabei eine ehrliche Einordnung: Diese Ergebnisse stammen überwiegend aus Laborversuchen, bei denen Honig direkt mit Bakterien in Kontakt gebracht wurde. Was im Reagenzglas funktioniert, lässt sich nicht automatisch auf den menschlichen Körper übertragen, wenn man Honig isst. Denn auf dem Weg durch den Körper verändert sich der Honig, wird verdünnt und verdaut. Die Laborergebnisse sind daher ein spannender Ausgangspunkt, aber kein Beleg für eine Wirkung beim Verzehr.

3. Manuka-Honig bei Wunden – ein wichtiger Unterschied

Ein Bereich, in dem Manuka-Honig tatsächlich in der Praxis eingesetzt wird, ist die Wundversorgung. In vielen Ländern gibt es Wundauflagen und Gele mit medizinischem Manuka-Honig, die als Medizinprodukte zugelassen sind und in Kliniken und Arztpraxen verwendet werden, etwa bei schlecht heilenden Wunden oder Verbrennungen. Die Studienlage zur Wirksamkeit ist je nach Wundart unterschiedlich, insgesamt aber deutlich besser als in den meisten anderen Bereichen.

Hier gibt es jedoch einen entscheidenden Unterschied, der oft untergeht: Bei der Wundversorgung handelt es sich um speziell aufbereiteten, sterilisierten Honig, der äußerlich angewendet wird. Er wird unter kontrollierten Bedingungen hergestellt, um Keime im Honig selbst zu beseitigen. Honig aus dem Glas ist dafür nicht geeignet und sollte keinesfalls auf offene Wunden aufgetragen werden. Die Erfolge in der Wundversorgung sagen zudem nichts darüber aus, was Manuka-Honig beim Verzehr bewirkt.

4. Hals und Husten

Ein Löffel Honig bei Halskratzen ist ein Klassiker unter den Hausmitteln, und dafür gibt es tatsächlich eine gewisse Grundlage. Studien, vor allem bei Kindern ab einem Jahr, deuten darauf hin, dass Honig Hustenreiz lindern und den Schlaf bei Erkältungshusten verbessern kann. Einige Gesundheitsbehörden nennen Honig deshalb als mögliches Hausmittel bei akutem Husten. Ein Grund dafür ist vermutlich, dass Honig den Rachen wie ein Film überzieht und so beruhigend wirkt.

Wichtig ist allerdings: Diese Erkenntnisse beziehen sich auf Honig allgemein. Speziell zu Manuka-Honig gibt es in diesem Bereich bisher kaum aussagekräftige Studien am Menschen. Ob Manuka-Honig hier mehr bewirkt als ein gewöhnlicher Honig, ist daher nicht belegt. Wer Manuka-Honig in warmen Tee rührt oder pur genießt, kann aber zumindest auf die bekannte wohltuende Wirkung von Honig im Rachen setzen.

5. Darm und Verdauung

Auch im Zusammenhang mit Darm und Verdauung wird Manuka-Honig häufig genannt. In Laborstudien konnte er das Wachstum bestimmter Bakterien hemmen, die im Verdauungstrakt eine Rolle spielen. Zudem enthält Honig bestimmte Zuckerverbindungen, sogenannte Oligosaccharide, die in Laborversuchen als Nahrung für nützliche Darmbakterien dienen konnten.

Ein wichtiger Punkt wird dabei jedoch selten erwähnt: Untersuchungen der TU Dresden, also jener Forschungsgruppe, die MGO im Manuka-Honig entdeckt hat, deuten darauf hin, dass MGO bei der Verdauung zu einem großen Teil abgebaut wird, noch bevor es den Darm erreicht. Das würde bedeuten, dass der Inhaltsstoff, der Manuka-Honig im Labor so besonders macht, im Darm möglicherweise nur noch in geringen Mengen ankommt.

Studien am Menschen, die eine Wirkung von Manuka-Honig auf die Darmgesundheit belegen, gibt es bisher nur sehr wenige, und sie sind klein. Der aktuelle Stand lässt sich daher so zusammenfassen: Die Laborergebnisse sind interessant, eine Wirkung beim Menschen ist aber nicht nachgewiesen.

6. Mund und Zähne

Honig und Zähne, das klingt zunächst widersprüchlich, schließlich besteht Honig größtenteils aus Zucker. Dennoch wurde Manuka-Honig wegen seiner antibakteriellen Eigenschaften auch im Bereich der Mundgesundheit untersucht. In einigen kleinen Studien zeigten sich Hinweise darauf, dass Manuka-Honig Zahnbelag und Zahnfleischbluten verringern könnte.

Die Aussagekraft dieser Studien ist allerdings begrenzt. Sie wurden mit nur wenigen Teilnehmenden durchgeführt, und größere Untersuchungen, die diese Ergebnisse bestätigen, fehlen bislang. Manuka-Honig ist daher kein Ersatz für Zähneputzen und regelmäßige Zahnpflege. Und wie bei jedem Honig gilt: Nach dem Verzehr ist eine gute Mundhygiene wichtig.

7. Was man beim Verzehr beachten sollte

So besonders Manuka-Honig auch ist, er bleibt ein Honig, und das bedeutet: Er besteht zu rund 80 Prozent aus Zucker. Wer ihn genießen möchte, sollte ihn daher bewusst und in Maßen verwenden, etwa einen Teelöffel am Tag, pur, im lauwarmen Tee oder auf einem Frühstück.

Einige Gruppen sollten besonders aufmerksam sein. Säuglinge unter 12 Monaten dürfen grundsätzlich keinen Honig bekommen, auch keinen Manuka-Honig, da Honig Sporen enthalten kann, die für das noch unreife Verdauungssystem gefährlich sind. Menschen mit Diabetes sollten den Zuckergehalt berücksichtigen und bei Unsicherheit ärztlichen Rat einholen. Wer auf Bienenprodukte allergisch reagiert, sollte auf Manuka-Honig verzichten.

Ein praktischer Tipp zum Schluss: Wer Manuka-Honig in Tee genießen möchte, sollte diesen etwas abkühlen lassen. Sehr hohe Temperaturen können wertvolle Inhaltsstoffe des Honigs beeinträchtigen.

8. Warum Echtheit und MGO-Gehalt entscheidend sind

Ein Thema, das bei der Frage nach Manuka-Honig unbedingt dazugehört, ist die Echtheit. Weil Manuka-Honig selten und teuer ist, ist er leider auch anfällig für Fälschungen. Immer wieder wird berichtet, dass weltweit deutlich mehr Honig als „Manuka" verkauft wird, als in Neuseeland überhaupt produziert werden kann. Ein Teil davon ist mit anderem Honig vermischt oder schlicht falsch deklariert.

Für dich als Käufer bedeutet das: Alles, was in diesem Beitrag über die besonderen Eigenschaften von Manuka-Honig gesagt wurde, hängt maßgeblich vom tatsächlichen MGO-Gehalt ab. Ein Honig, der zwar „Manuka" heißt, aber kaum MGO enthält, unterscheidet sich kaum von gewöhnlichem Honig, kostet aber ein Vielfaches.

Die verlässlichste Grundlage ist deshalb ein im unabhängigen Labor geprüfter MGO-Wert. Achte beim Kauf darauf, dass der MGO-Gehalt klar angegeben ist und der Hersteller ein Analysezertifikat bereitstellt, das du selbst einsehen kannst. Nur so weißt du sicher, was du für dein Geld bekommst.

Fazit

Wie gesund ist Manuka-Honig? Die ehrliche Antwort lautet: Manuka-Honig hat durch seinen außergewöhnlich hohen MGO-Gehalt tatsächlich besondere Eigenschaften, die ihn von gewöhnlichem Honig unterscheiden, und er gehört zu den am intensivsten erforschten Honigsorten überhaupt. Seine antibakteriellen Eigenschaften sind im Labor gut dokumentiert, und in der Wundversorgung wird medizinischer Manuka-Honig bereits erfolgreich eingesetzt.

Gleichzeitig zeigt der Blick auf die Forschung, dass viele Ergebnisse aus Laborversuchen oder der äußerlichen Anwendung stammen. Für den Verzehr ist die Studienlage noch begrenzt, und ob MGO den Darm in nennenswerter Menge erreicht, ist fraglich. Manuka-Honig ist daher kein Wundermittel, sondern ein außergewöhnlicher, seltener Honig mit einem einzigartigen Geschmack und spannenden Eigenschaften. Wer ihn genießen möchte, sollte vor allem auf eines achten: echte, geprüfte Qualität.

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